Wasservergiftung beim Hund: Symptome und Erste Hilfe – tausende Hunde sterben jährlich daran

Wasservergiftung bei HundenDie Sonne brennt vom Himmel. Mensch und Tier sehnen sich nach Abkühlung. Was liegt näher, als mit dem Vierbeiner einen Badesee aufzusuchen, ihn im Pool schwimmen zu lassen oder ihm ein eigenes Schwimmbecken aufzustellen?

Kaum jemand weiß: Zu viel Wasser kann für Hunde tödlich sein.

Tausende Hunde sterben jährlich daran

Die meisten Hunde lieben Wasser. Sie genießen das Spiel mit dem Gartenschlauch und apportieren begeistert Stöckchen, Dummys und Bälle aus Flüssen, Seen und Teichen. Allerdings schlucken sie dabei jedes Mal Wasser. Zunächst ist das unproblematisch. Bis eine gewisse Menge überschritten wird.

Was ist eine Wasservergiftung?

Tierärzte sprechen bei einer Wasservergiftung von einer „hypotonen Hyperhydratation“. Was passiert, ist schnell erklärt: Wenn der Hund zu viel Wasser aufnimmt, sinkt der Natriumgehalt. Der Körper schaltet auf ein Notfallprogramm um: Er schwemmt das Wasser nicht mehr über den Urin aus, sondern lagert es in den Zellen ein. Dadurch schwellen die Zellen an. Das passiert auch im Gehirn, das wegen des knöchernen Schädels nur wenig Raum zum Ausdehnen hat. Infolgedessen kommt zu einem starken Druck. Lungenödeme und neurologische Ausfälle sind die Folge: Der Hund wirkt apathisch, fängt an zu krampfen und verliert das Bewusstsein. Jedes Jahr sterben Hunde an einer Wasservergiftung.

Was sind Elektrolyte?

Wasservergiftung bei Hunden

In sämtlichen Körperzellen und den Zellzwischenräumen von Mensch und Tier befinden sich Wasser, Salze und Mineralstoffe. Diese sogenannten Elektrolyte brauchen die Zellen, um reibungslos zu funktionieren. Elektrolytverbindungen beinhalten Natriumchloride (Kochsalz), Calcium, Kalium, Phosphor und Chlor.

Ab welcher Wassermenge kommt es zu einer Wasservergiftung?

Wenn der Hund ungefähr ein Drittel seines Körpergewichts an Wasser verschluckt hat, kann es zu einer Wasservergiftung kommen. Das passiert beim ausgelassenen Spielen und Toben schnell. Vor allem lebhafte Hunde und kleinere Hunderassen sind gefährdet.

Als Faustregel für die Wasserversorgung gilt bei Hunden Folgendes: Sie sollten bis zu 100 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag trinken. Die genaue Menge hängt von der Art der Fütterung (Trocken- oder Feuchtfutter) und der Außentemperatur ab.

Dementsprechend liegt die unproblematische Wassermenge bei einem Yorkshire Terrier, der drei Kilogramm wiegt, bei 300 Milliliter täglich. Ein Boxer mit 30 Kilogramm Körpergewicht kann drei Liter Flüssigkeit aufnehmen.

Durch das Spielen im Wasser kann die Wassermenge dramatisch ansteigen.

Wie erkenne ich eine Wasservergiftung?

Es gibt früh einsetzende und spät einsetzende Symptome. Nicht immer sind die Anzeichen unmittelbar nach dem Wasserspaß zu sehen.
Frühe Symptome
Zunächst wirkt der Vierbeiner scheinbar aus dem Nichts heraus müde und erschöpft.
Der Hund…
zittert und schwankt.
zeigt Anzeichen von Übelkeit und erbricht sich.
wirkt ungewöhnlich erschöpft, schwach und abgeschlagen.
hat einen aufgeblähten Bauch.
speichelt stark und hechelt.
hat geweitete Pupillen.
zeigt keinen Appetit.

Späte Symptome
Mit der Zeit verschlimmern sich die Symptome. Das Tier verliert zunehmend die Kontrolle über seinen Körper.
Der Hund…
leidet unter Koordinationsstörungen.
hat Schwierigkeiten, seine Muskeln zu kontrollieren: Der Unterkiefer hängt herunter.
zuckt unkontrolliert und es kommt zu Krämpfen.
ist nicht mehr ansprechbar und wirkt apathisch.
verliert das Bewusstsein.
setzt unkontrolliert Urin und Kot ab.

Wie kann ich meinem Hund Erste Hilfe leisten?

Halte deinen Hund unbedingt vom Wasser fern und verhindere, dass er weiter trinkt. Beim Verdacht auf eine Wasservergiftung muss er sofort (!) zu einem Tierarzt oder in eine Tierklinik. Du darfst keine Zeit verlieren: Das Leben deines Hundes steht auf dem Spiel. Durch Salzstangen und Salzkekse kannst du seinem Körper während der Fahrt Salze zuführen. Vorausgesetzt, er ist noch in der Lage dazu, Nahrung aufzunehmen. (Nur zur Sicherheit: Salzstangen sind ein absolutes Notfallfutter und keine allgemein geeignete Kost für Hunde.)

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Die Gefahr einer Wasservergiftung ist besonders bei lebhaften, verspielten kleinen Hunden und Welpen groß. Sie haben wenig Masse und Körpergewicht. Dadurch ist die kritische Wassermenge schnell erreicht.

Stark gefährdet sind außerdem Vierbeiner mit Nierenkrankheiten und muskulöse, schlanke Hunde mit niedrigem Körperfettanteil sind stärker gefährdet. Der Grund: Körperfett nimmt Wasser auf. Bei einem geringen Körperfettanteil fehlt den Tieren diese Möglichkeit.

Wie läuft der Tierarztbesuch ab?

Schildere dem Tierarzt möglichst genau, wie (lange) dein Hund im Wasser gespielt hat und was du beobachtet hast. Dadurch kann er die Symptome einordnen. Durch eine Blutuntersuchung lassen sich die Elektrolytwerte kontrollieren. Leider bedeutet die tierärztliche Behandlung noch keine Entwarnung. Es kommt vor, dass Hunde auch Tage nach dem Ausgleich des Elektrolythaushalts versterben.

Wie kann ich eine Wasservergiftung vermeiden?

Sorge dafür, dass dein Hund nicht zu viel Wasser aufnimmt. Das gelingt am besten, wenn du die Spielzeit im Wasser kurzhältst. Lass deinen Vierbeiner zwei- bis dreimal ein Stöckchen aus dem Wasser zurückbringen oder nach dem Wasserstrahl aus dem Schlauch schnappen. Danach beschäftigst du ihn mit anderen Aktivitäten. Bei einem Spaziergang setzt er Urin ab und befördert Wasser aus dem Körper.

Um Bälle aus dem Wasser zu holen, muss der Hund den Mund weit öffnen. Dabei verschluckt er entsprechend viel Wasser. Besser sind flachere Spielutensilien wie Dummys oder Stöcke.

Tipps zum Umgang mit Wasser

Manche Hunde sind richtige Wasserratten. Sie sind kaum aus dem kühlen Nass herauszuhalten. Es spricht prinzipiell nichts gegen den Wasserspaß im Sommer, wenn du ein paar einfache Grundregeln einhältst.

  • Behalte deinen Vierbeiner stets im Auge, wenn er im Fluss, im Badesee oder in deinem Garten mit Wasser (Pool, Gartenschlauch, Rasensprenger) spielt.
  • Sorge für Pausen. Nach kurzen Spielphasen im Wasser sollte es auf dem Land weitergehen.
  • Lass deinen Hund nicht nach Spielsachen tauchen.
  • Nimm sicherheitshalber Salzstangen und Salzkekse mit, wenn ihr euch am Wasser aufhaltet.

Wasservergiftung beim Hund

Danke an Sonja von Amy der Appenshepherd Trick & Filmhund für die tollen Bilder.

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