Hunde sind Familienmitglieder – auch auf Reisen
Willy ist ein Jack Russel Terrier. „Der ist genauso hibbelig wie ich“, sagt Rabea Ali über ihren Hund und lacht. „Seit wir selbstständig sind, haben wir gelernt, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben.“ Dass Menschen und Hunde voneinander lernen, ist Hundebesitzern nichts Neues. Dass sie das auch auf Reisen tun können, auf Wanderungen gemeinsam mit anderen Hunden und ihren menschlichen Begleitern, das ist eine Marktlücke. „hundewandern.de“ heißt das Unternehmen von Rabea Ali, mit dem sie diese Nische auf dem Touristikmarkt seit 2005 erfolgreich bedient.
Zweieinhalb Jahre in der nebenberuflichen Selbstständigkeit hatte sich Rabea Ali gegeben, um die Tragfähigkeit ihrer Idee am Markt zu testen. Die Resonanz auf das Reiseangebot von www.hundewandern.de war ausnahmslos positiv – das Unternehmen wächst. So stark, dass die diplomierte Touristikmanagerin sich 2007 dazu entschloss, ihre feste Stelle bei einem Reiseveranstalter für Studien- und Gruppenreisen an den Nagel zu hängen und auf Wanderungen mit dem Hund zu setzen.
Wer einen Hund hat, kennt das: Über den normalen Hundesport hinaus und die Möglichkeiten, die Hundeplätze bieten, gibt es wenige Angebote, um mit Hunden die Freizeit so zu verbringen, dass auch die Vierbeiner gefordert sind. Diese Erfahrung brachte Rabea Ali, die in ihrer Freizeit gemeinsam mit Bekannten und Hunden wandern ging, schon von Berufswegen auf die Idee, nach entsprechenden Reiseangeboten zu forschen. Ohne Ergebnis. Also bündelte sie Hundeverstand und touristisches Wissen, suchte Hotels, in denen Gruppen mit bis zu 20 Hunden gern gesehene Gäste sind und entwickelte Reiserouten im In- und Ausland.
Wer mit hundewandern.de unterwegs ist, kann wählen zwischen Tageswanderungen im Teutoburger Wald, eintägigen Schnitzeljagden, dreitägigen Extertal-Wanderungen im Rudel, Kanutouren im Elsass oder Wanderungen auf Elba oder im Riesengebirge. Begleitet werden die Gruppen jeweils von den erfahrenen Wanderführern und Hundekennern, vier Freiberufler/innen arbeiten im hundewandern-Team. 150 Wandertouren, davon 51 Tagestouren stehen 2008 auf dem Programm. Die Top-Seller sind die Schnitzeljagden und die Touren auf dem Wasser. „Im Kanu sind die Menschen so stolz zu sehen, dass ihr Hund das kann“, erzählt Rabea Ali. „Dabei genießen Hunde eine Tour auf dem Wasser, kopfmäßig sind sie dabei voll ausgelastet.“
Was ihr gefällt, das entwickelt die Hundeliebhaberin für ihre Kunden weiter. „Die Hundeerziehung steht bei uns nicht im Vordergrund“, erklärt sie, „sondern der Hund selbst und die Geselligkeit in der Gruppe.“ Schließlich sind auch Hundebesitzer nicht unbedingt Naturmenschen - „manche haben Angst den Hund von der Leine zu lassen, weil sie das nirgends tun können“ – Abenteuerlust gibt’s bei hundewandern inklusive. „Wir erzählen unterwegs viel über Natur und Kultur und natürlich ergeben sich unter Hundebesitzern immer viele Gespräche über den Alltag mit dem Hund.“
Sozial verträglich müssen die Hunde für diese Abenteuer allerdings schon sein. „Ob das geht, sieht man auf den ersten Blick“, sagt Rabea Ali. Der Mensch könne dazu durchaus einen Beitrag leisten und z.B. keine Reizobjekte wie Bälle mitnehmen. Und für jede neue Gruppe gibt es feste Spielregeln: „Die Hunde bleiben in den ersten fünf Minuten an der Leine und werden dann nach und nach losgemacht.“ Dass sie in den Unterkünften nicht in einem Zwinger, sondern gemeinsam mit ihrem Menschen auf dem Zimmer schlafen, versteht sich für Rabea Ali von selbst. „Schließlich sind die Hunde Familienmitglieder.“
Rabea Ali selbst ist kaum noch wandernd mit Gruppen unterwegs, sie sorgt für die Logistik, das Management und den Aufbau neuer Geschäftspartnerschaften und Kooperationen. So ist es ihr gelungen, gemeinsam mit einem Versicherer eine spezielle Hundeversicherung, die in die Reiseversicherung integriert ist, zu entwickeln. Sie hat einen Futtermarke als Sponsor und Messepartner gefunden und schreibt zurzeit an ihrem ersten Buch „Wandern mit dem Hund“. Um weiter wachsen zu können, braucht Rabea Ali weitere freie Wanderleiter. Dass ihr das gelingen kann, daran lässt sie keinen Zweifel. Schließlich hat sie von Willy gelernt, gelassen zu bleiben.
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Rabea Ali
Bruchweg 4
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